...toki hotel...
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Story von Steffi!!
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Prolog

„Ich muss dir was erzählen“, kreischte Nina so laut ins Telefon, dass Charlie das Telefon einen Meter vom Ohr entfernt halten konnte und trotzdem noch immer etwas verstand.
„Ach ja? Was denn?“, wollte Charlie wissen.
Charlie hieß eigentlich Charlotte, doch nicht einmal ihre Mutter Judith oder die Lehrer nannten sie so.
Charlie war fünfzehn Jahre alt und wohnte in Berlin. Sie hatte dunkelblondes Haar, das ihr bis zwischen die Schulterblätter ging und braune Augen.
Charlie war 1, 62 Meter ‚klein’ und wog 47 Kilo. Charlie hat ein Bauchnabel-, ein Zungen- und ein Unterlippenpiercing. Sie wurde am 17.11.1990 in Leipzig geboren, war jedoch nach Berlin gezogen, als sie neun Jahre alt war. Damals hatten sich ihre Eltern getrennt, ihr Vater Jörg hatte etwas mit seiner 20-jährigen Sekretärin angefangen. Sie war knapp fünfzehn Jahre jünger, als Charlies Vater.
Judith war damals am Boden zerstört gewesen, war total neben der Spur.
Judith hatte ihre Tochter jedoch niemals vernachlässigt, nein, immer wenn Charlie sie brauchte, war Judith für sie da.
Na ja und nun lebten Charlie und Judith schon über sechs Jahre in Berlin.
Judith war den ganzen Tag herüber arbeiten und verdiente ziemlich viel Geld. Charlie war das egal.
Sie hatte schließlich ihre beste Freundin Nina!
Ja, Nina und Charlie waren schon über drei Jahre lang beste Freundinnen.
Die beiden hingen ständig miteinander herum.
Als Charlie aufs Gymnasium gekommen war, hatte sie Nina kennen gelernt.
Die beiden waren auf Anhieb super miteinander klar gekommen.
Nina wohnte ebenfalls in Berlin, sie war nur knapp ein Monat jünger als Charlie, denn Nina wurde am 14.12.1990 geboren. Sie hatte schulterlange braune Haare und braune Augen. Nina war 1, 70 Meter groß und wog 50 Kilo. Nina hatte ein Nasenpiercing.
Charlie und Nina hatten viele Gemeinsamkeiten. Beide liebten Kino, Partys und Musik und hatten ‚fast’ den gleichen Musikgeschmack. Charlie hörte die Ärzte und Green Day, mochte jedoch auch Sängerinnen wie LaFee oder Kelly Clarkson.
Nina stand ebenfalls auf Green Day, die Ärzte, LaFee und Kelly Clarkson… und…
Tokio Hotel.
Die Schnullerband des Jahres. Charlie hasste diese Band abgrundtief. In ihren Augen waren die vier Jungs von Tokio Hotel kleine Möchtegern-Gangster, die nicht singen konnten und ihre Instrumente nicht beherrschten.
Bill war eine Schwuchtel! Tom ein kleiner Macho. Georg hatte eine spitze Nase und sah einfach nur scheiße aus. Gustav ging gerade noch, er sah ja noch relativ normal aus. Eigentlich arm, in dieser Kinderband mitzuspielen.
Außerdem waren alle drei Lieder, die bis jetzt veröffentlicht wurden, total bescheuert. Wie hießen sie gleich?
Krüppel und schwul, äh… Durch den Monsun, Schrei und Rette mich.
„Das wirst du mir nie glauben“, schrie Nina nun aufgeregt ins Telefon. Charlie lachte. „Sag halt!“, forderte sie die Freundin auf. „Du weißt doch, dass Tokio Hotel heute bei Viva Live waren, oder?“
Charlie rollte genervt die Augen. Nina hatte die ganze letzte Woche von nichts anderem geredet, als von Donnerstag, dem 13. April, wo Tokio Hotel bei Viva Live sein sollten.
„Ja, und?“, fragte Charlie. Was war denn bitte so toll daran? Okay, Nina schwärmte andauernd von Bill, dieser blöden Schwuchtel… Das ging einem echt tierisch auf die Nerven. „Da gab’s so ein Gewinnspiel…“, redete Nina weiter. „Was konnte man denn gewinnen?“, wollte Charlie wissen und hoffe, man hatte etwas Sinnvolles gewinnen können. „Ein Meet and Greet mit Tokio Hotel“, erklärte Nina aufgeregt.
Super.
Was war daran denn bitte sooo toll?
„Und?“ Gelangweilt wartete Charlie auf eine Antwort. „Ich hab mit gemacht…“, erklärte Nina, schwieg kurz und kreischte dann ins Telefon, „…und ich hab gewonnen!“
Charlie klappte die Kinnlade herunter. Wie bitte? Ihre beste Freundin hatte ein Meet and Greet mit Tokio Hotel gewonnen? „Na, das freut mich ja für dich“, lächelte sie schließlich.
Natürlich freute Charlie sich für Nina. Immerhin liebte Nina diesen Bill total und war außerdem total vernarrt in diese Band. „Na ja…“, begann Nina mit ruhigerer Stimme, „um genau zu sein, ist es ein Meet and Greet für zwei Personen…“ Charlie kapierte nicht, was Nina damit sagen wollte. „Und? Wen nimmst du mit?“ Nina lachte auf. „Dich!“, erklärte sie dann.
Charlie riss entsetzt die Augen auf. „Was? Mich? Nina, du weißt doch, dass ich diese Band hasse. Also, bei aller Liebe…“

Kapitel 1

Es klingelte an der Haustür.
Charlie eilte die Treppe herunter zum Flur und öffnete die Haustür.
Es war, wie erwartet, Nina. Seit sie das Meet and Greet gewonnen hatte, waren vier Stunden vergangen.
„Na“, grinste Charlie und bat die Freundin ins Haus.
„Hey…“, erwiderte Nina und die Freundinnen setzten sich in die Küche.
Kurz schwiegen beide, dann fing Nina wieder an: „Charlie, bitte.“ Flehend schaute sie ihre beste Freundin an.
Charlie schüttelte heftig mit dem Kopf. „Ich kann das nicht, Nina. Du bist meine beste Freundin, okay? Aber ich hasse Tokio Hotel. Ich kann unmöglich mit dir zu diesem Meet and Greet. Ich könnte mich niemals zusammen reißen.“ Nina zuckte die Achseln. „Mach’s mir zuliebe, Charlie. Bitte.“ „Wieso nimmst du nicht einen Fan mit? An unserer Schule laufen doch genug Verrückte herum.“ Fragend schaute Charlie Nina an.
Diese schüttelte den Kopf. „Ich will keine von diesen Verrückten mitnehmen, ich will DICH mitnehmen. Dich und sonst niemanden!“
Charlie schluckte.
Sollte sie…?
NEIN!
Nein, sie konnte nicht. Schon schlimm genug, dass sie sich tagtäglich die Lieder dieser Schwuchteln herein ziehen musste.
Ja, jedes Mal, wenn eines der Lieder auf Viva oder Viva + lief, drehte Nina die Anlage so laut auf, dass Charlie sich schon Sorgen um ihre armen Ohren machte.
„Nein, nein, nein. Das geht einfach nicht, Nina. Ich hasse diese… Na ja, also… Versteh mich doch!“ Sie schaute Nina direkt in die Augen.
Nina erwiderte ihren Blick flehend. „Charlie…“, begann sie dann wieder.
Würde dieses Flehen jemals ein Ende nehmen?
Wieso verstand Nina ihre beste Freundin nicht?
Charlie HASSTE diese verdammte Babyband. Sie hasste sie abgrundtief!
Diese Jungs waren einfach das Letzte!
Das Flehen hielt den ganzen Tag an.
„Wann ist dieses Meet and Greet überhaupt?“, wollte Charlie schließlich wissen.
Vielleicht hatte sie ja Glück und genau an diesem Tag würde etwas anderes anstehen, rein zufällig natürlich… „Nächste Woche Donnerstag. Eine Stunde vor dem Konzert.“ „Welches Konzert?“
Charlie verstand nur Bahnhof.
Konzert? Wenn Nina das Konzert meinte, woran Charlie grad dachte…
„Na, danach ist doch das Tokio Hotel-Konzert in der Collumbiahalle. Um halb sieben? Du weißt schon. Ich hab zwei Karten.“ Wieder strahlte Nina, Charlies Laune war mittlerweile bis zum Nullpunkt gesunken. „Du meinst doch nicht…“, begann sie und schaute Nina prüfend an. Nina nickte heftig und grinste.
Was? Charlie sollte erst zu diesem beschissenen Meet and Greet und dann auch noch zum Konzert? Eineinhalb Stunden Tokio Hotel?
Das würde sie nie, nein, niemals aushalten!
„Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder Nina?“, jammerte sie. Nina nickte. „Oh doch, das ist mein voller Ernst. Komm Charlie. Sei nicht so!“
Nein, es ging nicht.
Eher würde Charlie sich umbringen, als wenn sie mit Nina zu diesem Meet and Greet gehen würde!!!

Kapitel 2

Mittlerweile war es schon zehn Uhr. Draußen war es schon ziemlich dunkel und Nina beschloss, nach Hause zu gehen.
Charlie brachte die Freundin noch zur Haustür und umarmte sie kurz. „Bis morgen dann“, sagte Nina. „Ja, bis morgen“, lächelte Charlie und schloss die Haustür.
Nachdenklich ging Charlie wieder in die Küche und setzte sich hin.
Sollte sie nicht vielleicht doch mit Nina zum Meet and Greet und zum Konzert gehen? Charlie wusste, dass es Nina ziemlich viel bedeutete.
Tokio Hotel.
Es war ein Meet and Greet und ein Konzert von Tokio Hotel.
Charlie hasste diese Band und wenn sie wirklich mit Nina zu diesem Meet and Greet gehen würde, könnte sie sich nicht zusammen reißen und dann würde sie alles versauen.
Immerhin könnten die vier Jungs dann ja auch einen falschen Eindruck von Nina bekommen, oder?
Charlie seufzte. Es war nicht einfach.
Erst vor ein paar Tagen kam eine Reportage über Tokio Hotel im Fernsehen.
Dort wurde ein Meet and Greet gezeigt.
Ein Mädchen hatte Bill und Tom im Arm genommen und ihnen zum Abschied ein Küsschen gegeben…
Wenn Charlie sich nur vorstellte, einer dieser Zwillinge würde sie anfassen, könnte sie kotzen.
Aber Nina…
Ihr lag doch so viel daran…
Charlie beschloss, erst einmal eine Nacht darüber zu schlafen…
Sie stand auf und ging die Treppe herauf ins Bad.
Dort stellte sie die Heizung an und ließ sich Badewasser einlaufen.
Dann lief Charlie in ihr Zimmer und suchte sich ihre Schlafsachen zusammen: Dunkelblaue Hotpants und ein sonnengelbes Top.
Wieder eilte sie ins Bad. Die Badewanne war fast voll, Charlie zog sich aus und kletterte in die Badewanne.
Das warme Wasser tat gut und Charlie versuchte, ihre Gedanken zu ordnen.
Nach einer Stunde hatte Charlie dann keine Lust mehr zu baden.
Sie zog ihre Schlafsachen an, cremte sich ein, putzte ihre Zähne, kämmte ihre Haare und flocht sie zu einem strammen Zopf.
Dann schlenderte Charlie in ihr Zimmer und legte sich ins Bett. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es halb zwölf war.
Charlie knipste das Licht aus und drehte sich zur Seite, doch einschlafen konnte sie nicht.
Immer wieder musste Charlie an das Konzert und vor allen Dingen an das Meet and Greet denken.
Sollte sie mit Nina hin gehen?
Sie war sich sicher, dass Nina sehr enttäuscht sein würde, wenn Charlie nicht mit ihr hin gehen würde.
Charlie kämpfte mit sich selbst.
Ihr Herz sagte ‚Ja’, ihr Verstand ‚Nein’.
Na ja, wahrscheinlich sagte Charlies Herz nur ‚Ja’, weil es noch nicht begriffen hat, dass Charlie ihrer besten Freundin das Meet and Greet höchstwahrscheinlich ziemlich versauen würde…
Irgendwie schaffte Charlie es dann doch noch, irgendwie einzuschlafen.
Erschrocken fuhr Charlie hoch und riss die Augen auf. Um sie herum war es stockdunkel und es alles still.
Der Radiowecker zeigte 04:15 Uhr an.
Viertel nach vier, verdammt, es war ja noch mitten in der Nacht!
Wieso war Charlie wach?
Sie hatte einen Albtraum gehabt…

Kapitel 3

Charlie hatte geträumt, dass sie mit Nina bei diesem Meet and Greet war.
Bill unterhielt sich die ganze Zeit mit Nina, Charlie stand etwas abseits und starrte den Boden an.
Nina bat Charlie, ein Foto von Bill und ihr zu machen.
Bill umarmte Nina und Charlie machte einige Fotos.
Dann dachte Bill wohl, Charlie wolle ebenfalls ein Foto haben und kam auf Charlie zu.
Als er Charlie umarmen wollte, schubste sie ihn zur Seite und schrie, er solle sie gefälligst nicht anfassen.
Daraufhin schaute Bill sie total verpeilt an und auch die anderen drei der Band warfen ihr komische Blicke zu.
Als Nina ein Foto mit Tom machen wollte, ist er zurück gewichen und hatte gesagt: „So etwas ist deine beste Freundin?“
Dann verließen die vier Jungs von Tokio Hotel den Raum.
Bill warf den beiden Mädchen nur noch einen angewiderten Blick zu, bevor er schließlich ging.
Nachdem die Jungs gegangen waren, kam ein Sicherheitsmann, der die Freundinnen zur Konzerthalle brachte.
Nina redete kein Wort mit Charlie, warf ihr nur hasserfüllte und enttäuschte Blicke zu. „Was ist los?“, fragte Charlie. „Was sollte das?“, wollte Nina wütend wissen. „Na ja… äh…“, stammelte Charlie und stellte eine Gegenfrage: „Hey, du bist mir jetzt doch nicht ernsthaft böse, oder? Wir sind doch Freunde.“ „Freunde? Wenn du meine Freundin wärst, hättest du das eben nicht getan“, zischte Nina und rannte weg.


Dann war Charlie erschrocken aufgewacht.
„Okay Charlie, es war nur ein Traum“, versuchte sie sich selbst zu beruhigen.
Nur ein Traum…
Was, wenn dieser Traum ein Zeichen war?
Ein Zeichen, dass Charlie auf keinen Fall mit Nina zu diesem Meet and Greet gehen durfte.
Oder ein Zeichen, dass Charlie sich zusammen reißen musste…
Absoluter Quatsch.
Es war schließlich nur ein beschissener Traum gewesen.
Charlie konnte nicht mehr einschlafen.
Dieser Traum ging ihr nicht mehr aus dem Kopf.
Was, wenn der Traum wirklich etwas zu bedeuten hatte?
Nein, sicher nicht.
Charlie war durcheinander.
Dann stand sie auf und tapste auf Zehenspitzen in die Küche.
Dort holte sie sich ein Glas aus dem Schrank und schenkte sich ein wenig Cola ein.
In Gedanken versunken setzte sie sich an den Küchentisch und nippte an ihrem Glas.
„Na, wieso bist du denn noch wach?“, fragte plötzlich eine Stimme hinter ihr.
Erschrocken fuhr Charlie herum.
Im Türrahmen stand ihre Mutter Judith und lächelte sie an. Charlie seufzte erleichtert und erwiderte: „Nee, schon wieder.“
Judith betrat die Küche und setzte sich zu Charlie an den Tisch. „Wie, schon wieder?“, fragte sie dann verwirrt. „Ich hab schlecht geträumt“, erklärte Charlie und nahm noch einen Schluck Cola.
„Ach ja? Was hast du denn geträumt?“, wollte Judith wissen. Charlie holte Luft und erzählte ihrer Mutter von ihrem Traum. „Na ja, dann ist Nina total wütend weg gerannt.“, beendete sie ihre Erzählung.
Judith streichelte beruhigend über Charlies Arm. „Na, es war ja zum Glück nur ein Traum.“
Charlie schluckte. „Ja, aber was ist, wenn das ein Zeichen war?“, fragte sie dann verzweifelt. Judith machte: „Hm“, ein Zeichen, dass sie überlegte.
Nach einer Weile sagte sie dann: „Wer weiß, vielleicht war es ein Zeichen, vielleicht aber auch nicht. Meiner Meinung nach solltest du mit Nina zu diesem Meet and Greet gehen, auch wenn du diese Band nicht leiden kannst. Es scheint Nina schließlich extrem wichtig zu sein, dass du mit kommst. Lass sie nicht im Stich.“
Mit den Worten stand sie auf, tätschelte Charlies Schulter und verließ die Küche.
Charlie blieb noch eine Weile nachdenklich sitzen, dann stand sie auf und ging wieder ins Bett.

Kapitel 4

Am nächsten Morgen wurde Charlie durchs Klingeln an der Haustür geweckt. Sie reckte sich und brummte: „Wer nervt denn schon so früh am Morgen?“
Am Morgen?
Der Radiowecker zeigte 12:35 Uhr an.
Verdammt.
Charlie schlug die Bettdecke zur Seite und sprang auf. Wieder klingelte es an der Haustür.
Charlie eilte die Treppe herunter und öffnete genervt die Haustür.
Vor ihr stand Nina. „Hey“, grinste sie. „Morgen“, murmelte Charlie und bat ihre Freundin ins Haus. „Morgen? Na ja… Hab ich dich geweckt?“ Fragend schaute Nina Charlie an.
Charlie nickte. „Egal… Sonst hätte ich wahrscheinlich den ganzen Tag geschlafen.“
Nina folgte Charlie die Treppe herauf. „Ich mach mich schnell fertig“, erklärte Charlie und verschwand ins Bad, während Nina in Charlies Zimmer ging.
Nachdem Charlie geduscht hatte, ging sie im Bademantel in ihr Zimmer, wo Nina gerade auf dem Bett saß und die neue „Bravo“ las.
Ein Bericht über Tokio Hotel…
Charlie holte sich Klamotten aus dem Schrank und ging wieder ins Bad.
Dort zog sie sich an, dann machte sie ihre Haare, cremte sich ein, schminkte sich und putzte sich die Zähne.
Zwanzig Minuten später kam Charlie fertig gestylt in ihr Zimmer. „Okay, bin fertig“, grinste sie und die Freundinnen gingen in die Küche, wo Charlie erst einmal „frühstückte“.
Das „Frühstück“ verlief schweigsam.
Beide Mädchen gingen ihren Gedanken nach.
Nina fragte sich, ob Charlie ihre Meinung noch ändern würde und vielleicht doch mit ihr zum Meet and Greet und zum Konzert gehen würde.
Irgendwie traute sie sich jedoch nicht, ihre beste Freundin zu fragen.
Charlie saß da und aß ein Brötchen mit Erdbeermarmelade.
Lecker.
Auch sie dachte nach.
Die Worte, die ihre Mutter heute Nacht zu ihr gesagt hat, gingen ihr nicht aus dem Kopf: „Meiner Meinung nach solltest du mit Nina zu diesem Meet and Greet gehen, auch wenn du diese Band nicht leiden kannst. Es scheint Nina schließlich extrem wichtig zu sein, dass du mit kommst. Lass sie nicht im Stich…“
Charlie wusste, dass Judith Recht hatte. Charlie durfte Nina nicht im Stich lassen.
Obwohl…
Dies war eine schwierige Situation.
Immerhin ging es um Tokio Hotel.
Tokio Hotel!
Hallo?
Tokio Hotel.
Ausgerechnet Tokio Hotel.
Wären es doch wenigstens die Ärzte… oder Kelly Clarkson oder auch LaFee.
Aber doch nicht Tokio Hotel.
In diesem Fall musste Charlie echt sagen, dass Nina schwere Geschmacksverkalkungen hatte.
Schlimm, schlimm.
Charlie fragte sich sowieso, wie Nina auf so eine Musik und auf so einen Typen wie Bill stehen konnte.
Das ging doch gar nicht.
Okay, tausende andere Leute behaupteten das genaue Gegenteil.
Die meisten Fans behaupteten, Tokio Hotel sei ihr Leben.
Eine Schnullerband.
Durfte Charlie mal lachen?
Okay, aber zurück zum eigentlichen Thema.
Es ging um Nina.
Um Nina und um…
Tokio Hotel.
Verdammt.
„Nina?“, fragte Charlie und schluckte.

Kapitel 5

Nina schaute Charlie fragend an. „Ja?“
Okay, jetzt oder nie!
„Also… Ich hab nachgedacht und…“ Sie brach ab. Nina schaute Charlie erwartend an.
„Ich gehe mit dir zu diesem Meet and Greet“, erklärte Charlie. Ninas Gesicht hellte sich auf, sie sprang auf und fiel Charlie um den Hals. „Danke, danke, danke. Du bist einfach die beste Freundin, die man sich wünschen kann, Charlie.“ Charlie lächelte und dachte: Was tut man nicht alles für seine beste Freundin?
Nach einer Weile hatte Nina sich endlich wieder beruhigt und setzte sich hin. „Aber du kommst doch auch noch mit zum Konzert, oder?“ Charlie nickte. „Klar.“ „Oh, danke Charlie“, freute sich Nina.
Nina war ihrer besten Freundin wirklich dankbar und sie war sich sicher, dass es Charlie sehr viel Überwindung gekostet hatte, diese Entscheidung zu treffen.
Immerhin hasste Charlie Tokio Hotel.
Charlie wusste, dass sie sich bei diesem Meet and Greet zusammen reißen musste.
Sie durfte die Band auf gar keinen Fall dumm anmachen, sonst würde dieser blöde Traum noch Realität werden.
„Es wird supergeil, Charlie.“, grinste Nina. Charlie nickte. „Ja…“, murmelte sie.
Nun gab es kein Zurück mehr.
Charlie würde mit Nina zum Meet and Greet und zum Konzert gehen.
„Ich muss durch den Monsun, hinter die Welt, ans Ende der Zeit, bis kein Regen mehr fällt. Gegen den Sturm, am Abgrund entlang und wenn ich nicht mehr kann, denk ich daran, irgendwann laufen wir zusammen.“ „Ja?“, meldete sich Nina.
Ninas Handy klingelte.
Oh Shit, wie konnte man nur „Durch den Monsun“ als Klingelton verwenden?
Ausgerechnet…
Charlie wartete und wartete, während Nina telefonierte. „Oh, hi. Ja… Charlie kommt mit… Geil, oder?... Find ich auch… Gut, bis dann. Ciao!“
Nina legte auf. „Wer war’s?“, wollte Charlie wissen. „Meine Cousine. Sie ist auch Tokio Hotel-Fan und wollte unbedingt, dass ich sie und nicht dich mit zum Meet and Greet nehme. Das will ich aber nicht. Ich hasse meine Cousine, weißt du?“ Charlie musste grinsen.
Das war typisch Nina!
Kurz darauf musste Nina nach Hause. „Meine Oma kommt zu Besuch“, erklärte sie genervt und man sah ihr an, dass sie absolut keine Lust darauf hatte. „Du Arme“, lachte Charlie und brachte die Freundin zur Haustür.
Nina umarmte Charlie und sagte: „Bis morgen, okay?“ Charlie nickte. „Und viel Spaß mit deiner Oma.“ Neckend schaute sie die Freundin an, Nina streckte nur die Zunge heraus und verschwand.
Charlie schaute ihrer Freundin noch eine Weile hinterher, dann ging sie wieder ins Haus.
Es war gerade erst halb fünf und Charlie überlegte, was sie machen sollte.
Langeweile.
Es war einfach nur langweilig.
Also ging Charlie ins Wohnzimmer und schaltete den Fernseher an.
Auf Viva + lief gerade LaFee mit „Virus“.
Charlie drehte erfreut die Anlage lauter und sang mit: „Und du nimmst ihn mir weg, du kleines Stückchen Dreck, du Schlampe bist so link, dass es bis zur Hölle stinkt. Und du fragst auch noch dumm, ob ich sauer bin, warum. Was soll sein? Ich hau dir eine rein…“
Als das Lied aus war machte Charlie die Anlage wieder leise. Nun kam US5.
Pfui.
Die Band war genauso beschissen, wie Tokio Hotel. Okay, Tokio Hotel war erfolgreicher, als US5, aber egal.
Schnell schaltete Charlie um. Auf Viva lief ein Bericht über Tokio Hotel.
Charlie rümpfte angewidert die Nase und machte den Fernseher aus.
Um sechs Uhr beschloss Charlie, joggen zu gehen.
Sie zog sich um und lief los.

Kapitel 6

Als Charlie wieder zuhause war, war es bereits zwanzig vor sieben.
Sie zog ihre Schuhe aus und ging die Treppe herauf in ihr Zimmer.
Dort kramte sie sich ein T-Shirt, Unterwäsche und eine weiße Stoffschlaghose aus dem Kleiderschrank und stellte sich erst einmal unter die Dusche.
Eine viertel Stunde später war Charlie fertig, sie schlenderte im Bademantel in die Küche und trank etwas.
Dann setzte sie sich hin und fragte sich, wie lange ihre Mutter wohl noch arbeiten musste.
Wahrscheinlich bis sieben Uhr, vielleicht auch bis halb acht oder acht Uhr…
Sie seufzte, trank ihr Glas leer und ging wieder ins Bad, um sich anzuziehen.
Danach kämmte sie ihre Haare und band sie zu einem lockeren Zopf.
Das Schminken ließ Charlie ausfallen. Wieso auch? Immerhin blieb sie sowieso den ganzen Abend zuhause.
Um viertel vor acht kam Judith nach Hause.
„Bin wieder da“, rief sie, als sie die Haustür aufgeschlossen hatte und schaute sich suchend nach ihrer Tochter um.
In der Küche war Charlie nicht.
Judith betrat das Wohnzimmer. Charlie saß im Schneidersitz auf dem Sofa und schaute fern.
„Hey Schatz“, begrüßte Judith ihre Tochter. „Hey Mum“, erwiderte Charlie lächelnd. „Ich hab Pizza mitgebracht. Hast du Hunger?“
Als Charlie das Wort „Pizza“ hörte, sprang sie auf. „Aber klar doch“, lachte sie und ging mit ihrer Mutter in die Küche.
Während Charlie und Judith Pizza aßen, hockte Nina bei sich zuhause in ihrem Zimmer und überlegte, wie das Meet and Greet wohl ablaufen würde.
Sie konnte es irgendwie immer noch nicht fassen. Noch knapp fünf Tage, dann würde sie ihre Lieblingsband persönlich treffen.
Der Gedanke trieb Nina Schmetterlinge in den Bauch. Jedes Mal, wenn sie ans Konzert und ans Meet and Greet dachte, war sie total aufgeregt.
Nina war Charlie total dankbar, dass sie sich ‚opfern’ würde. Klar konnte Nina verstehen, dass Charlie eigentlich absolut keine Lust darauf hatte. Dass Charlie trotzdem mitkam, war doch wirklich ein Freundschaftsbeweis.
„Nur noch fünf Tage“, jammerte Charlie verzweifelt. Fünf Tage, dann würde sie die Babyband des Jahres treffen. So ein Scheiß!
„Was dann?“, fragte Judith. „Dann ist dieses beschissene Meet and Greet und das Konzert… Ich hab mich entschieden, dass ich Nina nicht im Stich lasse.“
Ein Lächeln huschte über Judiths Gesicht. „Ich bin sicher, dass wird Nina dir niemals vergessen.“ „Hm“, machte Charlie nur und nahm sich ein weiteres Stück ihrer Pizza.
Schweigend aßen die beiden ihre Pizza auf, dann erklärte Charlie: „Ich geh nach oben.“ „Mach das“, lächelte Judith. Charlie erhob sich und ging nachdenklich die Treppe herauf in ihr Zimmer.
Dort schmiss sie sich aufs Bett und starrte das riesige Green Dayposter über sich an.
Tokio Hotel.
Wieso denn Tokio Hotel?
Wieso nicht Green Day?
Charlie seufzte. Ach scheiße, sie hatte Nina versprochen, mit zum Meet and Greet und zum Konzert zu gehen.
Also musste sie ihr Versprechen auch halten.
Irgendwann erhob Charlie sich seufzend, ging ins Bad, cremte sich ein und putzte sich die Zähne.
Dann ging sie wieder in ihr Zimmer und zog sich um.
Schnell machte sie noch leise das Album von Green Day an und ging dann schlafen.

Kapitel 7

Dann war es soweit.
Donnerstag, der 20. April 2006.
Charlie schlief noch, als plötzlich ihre Zimmertür aufflog. „Aufstehen“, rief eine laute und energische Stimme.
Sofort saß Charlie kerzengerade im Bett und öffnete verschlafen die Augen, um zu sehen, wer so früh am Morgen schon Terror machte.
Es war Nina.
„Was willst du? Wie kommst du in mein Zimmer? Wieso weckst du mich so früh?“
Drei Fragen auf einmal.
Nina musste erst einmal kurz überlegen, was Charlie eigentlich gerade von ihr wollte.
Dann antwortete sie: „Dich wecken. Deine Mum hat mich herein gelassen. Heute ist das Meet and Greet und das Konzert.“
Nina hatte zu schnell geantwortet, Charlie schaute die Freundin total verpeilt an. „Wie?“, fragte sie dann verwirrt. Nina lachte. „Also… Ich wollte dich wecken. Deine Mum hat mich ins Haus gelassen und ich wecke dich so früh, weil heute das Meet and Greet und das Konzert ist! Jetzt kapiert?“ Charlie sagte erst einmal gar nichts, dann nickte sie langsam. „Gut. Sieh zu, dass du aus den Federn kommst! Wir haben noch viel vor“, lachte Nina gut gelaunt und riss Charlie prompt die Bettdecke weg. „Ey“, protestierte Charlie.
Es brachte nichts.
Nina war gar nicht zu stoppen. Sie war total aufgedreht und schon voll fit. „Wie spät ist es überhaupt?“, wollte Charlie wissen. „Sechs Uhr“, erwiderte Nina grinsend. Charlie riss entsetzt die Augen auf. „Sonst geht’s dir aber gut, oder?“ Nina überlegte kurz, dann nickte sie. „Jetzt steh endlich auf“, jammerte sie.
Charlie stöhnte genervt, dann erhob sie sich langsam, ganz langsam.
Schlaftrunken ging sie zum Kleiderschrank, kramte eine hellblaue Jeans, ein blaues T-Shirt und Unterwäsche heraus und murmelte: „Ich geh ins Bad.“
„Ja, mach das“, grinste Nina und ließ sich auf Charlies Bett fallen.
Nachdem Charlie ausgiebig geduscht hatte, zog sie sich an, kämmte sie ihre Haare und band sie zu einem einfachen Zopf zusammen. Dann cremte sie sich ein und schminkte sich ein wenig.
Zum Schluss putzte sie sich die Zähne und ging zurück in ihr Zimmer. Nina musterte sie komisch, sagte jedoch erst einmal nichts. „Komm, wir gehen frühstücken“, sagte Charlie. Nina nickte und folgte der Freundin die Treppe herunter in die Küche.
Dort saß Judith, trank ihren Kaffee, aß ein Brötchen und las die Zeitung. „Morgen Charlie“, lächelte sie. „Morgen“, erwiderte Charlie und ließ sich auf einen der Stühle fallen. Nina nahm neben der Freundin Platz.
„Kaffee?“, fragte Judith. Die Freundinnen nickten. Judith lächelte, erhob sich und holte zwei Tassen. Die füllte sie mit Kaffee.
Dann drückte sie den beiden Mädchen die Tassen in die Hand. „Danke“, lächelte Charlie und nahm hastig einige Schlücke. Nina tat es ihr gleich.
Charlie inspizierte den Küchentisch und entschied sich für ein Brötchen mit Erdbeermarmelade. Nina nahm ein Brötchen mit Käse.
Nach dem Frühstück musste Judith zur Arbeit. „Bis heute Abend ihr zwei Hübschen. Und viel Spaß.“ „Danke“, lachte Nina. „Werden wir sicherlich haben“, brummte Charlie und die Ironie in ihrer Stimme war nicht zu überhören.
Dann gingen die Freundinnen wieder in Charlies Zimmer.
Wieder musterte Nina die Freundin komisch. „Was ist los?“, fragte Charlie. Nina grinste. „Na ja… Willst du wirklich ‚so’ zum Meet and Greet gehen?“ Charlie musterte sich im Ganzkörperspiegel.
Wieso?
Sah doch gut aus!
Dann musterte sie Nina. Nina trug eine einfache hellblaue Schlagjeanshose und ein schwarzes T-Shirt. „Wieso, du siehst doch fast genauso aus“, bemerkte Charlie.
Nina grinste und erst jetzt fiel Charlie auf, dass Nina noch einen Rucksack dabei hatte.

Kapitel 8

Viel sagend schaute Nina ihre beste Freundin an und entleerte den Inhalt des Rucksacks.
Kleidungsstücke und lauter Poster, CDs und so etwas alles. Wahrscheinlich zum Signieren…
„Ach so…“, grinste Charlie wissend. Nina wollte sich also noch umziehen!
„Jahaaa“, lachte Nina, „meinst du im Ernst, dass ich ‚so’ dahin gehe?“ Charlie zuckte die Achseln und lachte. „Na ja… Kein Plan. Hätte ja sein können.“
Nina schüttelte heftig mit dem Kopf. „Zeig her, was du dabei hast“, forderte Charlie.
Nina hielt die Sachen hoch:
Eine weiße Stoffschlaghose, ein schwarzes, bauchfreies Top, ein passend weißer Tanga und ein passend schwarzer BH.
„Cool“, grinste Charlie und meinte es auch so, „dann zieh ich aber auch was anderes an.“
Schon inspizierte die ihren Kleiderschrank, wobei Nina ihr über die Schulter schaute.
Nach einer viertel Stunde entschied Charlie sich dann: Ein kurzer, ein sehr kurzer schwarzen Minirock und ein hellblaues, bauchfreies und trägerloses Top mit der Aufschrift ‚CHICA’. „Hm, jetzt brauchst du nur noch passende Unterwäsche“, bemerkte Nina. Charlie grinste. Sie entschied sich für einen hellblauen BH mit durchsichtigen Trägern und einen schwarzen Tanga, wo in rot drauf stand: ‚STOP’.
Nina nickte. „Das ist es.“
Charlie legte ihr Outfit aufs Bett und murmelte: „Und was für Schuhe? Am besten die weißen mit den Pfennigabsätzen, oder?“ „Ja, würde ich auch sagen… Wo du grad von Schuhen redest…“ Charlie schaute Nina fragend an, da bemerkte sie, dass Nina normale Sneakers trug, die schon ziemlich mitgenommen aussahen. „Also, mit den Schuhen kannst du da nicht hingehen“, bemerkte sie. Nina nickte und schaute die Freundin hilfesuchend an. Charlie grinste. „Meine Schuhe müssten dir eigentlich passen“, meinte sie dann und eilte die Treppe herunter.
Im Flur fand Charlie dann passende Schuhe: Die hellblau-weißen Nike-Schuhe. „Ich hab welche für dich“, schrie sie und rannte die Treppe herauf in ihr Zimmer.
Dort schmiss sie Nina die Schuhe vor die Füße. „Probier mal, ob dir die passen“, forderte sie die Freundin auf. Nina nickte und zog die Schuhe an.
Dann lief sie einige Schritte. „Passen“, grinste sie. „Na, Gott sei Dank“, freute sich Charlie.
Mittlerweile war es neun Uhr.
„Okay, ich muss mich noch vernünftig stylen“, erklärte Nina. Charlie nickte. „Ich auch.“
Gemeinsam gingen die Freundinnen ins Bad.
„Shit“, murmelte Charlie. „Was?“, fragte Nina, die gerade ihre Schminke auspackte. „Ich muss noch meine Beine rasieren“, erklärte Charlie. „Nur noch Beine?“, wollte Nina wissen und grinste. Charlie nickte. „Gut, dann kann ich ja drin bleiben“, bemerkte Nina.
„Ja“, murmelte Charlie und zog ihre Hose aus.
Dann setzte sie sich auf den Badewannenrand und rasierte sich die Beine.
Währenddessen versuchte Nina, ihre Haare zu machen. Das klappte jedoch nicht ganz, also klappte sie den Deckel der Toilette herunter, setzte sich hin und wartete, bis Charlie fertig war.
Als Charlie dann fertig war, zog sie ihre Hose wieder an und überlegte, was man Nina für eine Frisur machen konnte.
Nach einigen Minuten erklärte sie dann: „Am besten, wir stecken deine Haare hoch und lassen ein paar Strähnchen ins Gesicht hängen…“ Nina nickte und Charlie begann, Ninas Haare durchzukämmen.
Danach kramte sie einige Spangen aus dem Schrank und arbeitete dann an Ninas Frisur.
Nach fünfzehn Minuten war sie fertig und musste zugeben, dass Nina echt gut aussah.

Kapitel 9

„Perfekt“, grinste Charlie, während Nina sich im Spiegel betrachtete. „Stimmt“, lächelte Nina dankend.
Während Nina sich schminkte, überlegte Charlie, was für eine Frisur sie sich machen sollte.
Irgendwann beschloss sie dann, ihre Haare einfach offen zu tragen. „Sieht gut aus“, versicherte Nina. Charlie lächelte und schminkte sich.
Als die Freundinnen fertig waren und wieder in Charlies Zimmer gingen, war es bereits halb Elf.
„Gut, also… Dann ziehen wir uns jetzt erstmal um, oder?“ Fragend schaute Nina Charlie an.
Charlie nickte und griff nach ihrer Kleidung.
Nachdem die Mädchen sich umgezogen hatten, prüften sie im Ganzkörperspiegel erst einmal, ob alles perfekt saß.
Es saß alles perfekt!
„Okay… und jetzt? Fahren wir zur Collumbiahalle?“, fragte Nina. „Hm…jetzt schon?“ Nina zuckte die Achseln und grinste. „Wieso nicht?“ Charlie zuckte die Achseln. „Okay, aber vorher muss ich noch meine Tasche packen.“
Nina nickte und Charlie griff nach ihrer schwarzen Handtasche.
Dort verstaute sie ihr Handy, Schminke, einen kleinen Spiegel und Geld.
„Hast du Tickets?“, fragte sie Nina.
Nina nickte heftig. „Als wenn ich die vergessen könnte.“ Charlie grinste nur.
Dann zogen die Mädchen ihre Jacken an und machten sich auf den Weg zur Bushaltestelle.
Nach fünf Minuten kamen Charlie und Nina an der Bushaltestelle an.
Charlie schaute erst einmal, wann der Bus kommen würde. „Der müsste eigentlich jeden Moment kommen“, erklärte sie. Nina grinste und deutete nach links, wo der Bus gerade kam. „Stimmt.“
Die Freundinnen stiegen ein und setzten sich in die dritte Reihe.
Es waren mehrere Tokio Hotel-Fans im Bus, das erkannte man an den Plakaten, daran, dass sie „Durch den Monsun“ sangen und daran, dass ihre Gesichter bekritzelt waren.
Eine hatte sich: „Tom, fick mich“ auf ihre Stirn geschrieben, eine andere: „Tokio Hotel 4-ever!“
Tom, fick mich. Wie billig ist das denn?, fragte Charlie sich. Sie konnte nicht verstehen, warum einige Fans wirklich Sex mit einem von Tokio Hotel haben wollten.
Bescheuert!
Arm!
Billig!
Das waren die richtigen Ausdrücke für so etwas!
Zehn Minuten später kamen die Freundinnen an der Collumbiahalle an.
Dort standen schon über eintausend Fans.
Charlie fragte sich, wieso die sich alle so eine Mühe machten und so früh schon zur Konzerthalle gingen.
Wieso sollte Charlie für so eine Band stundenlang herum stehen und warten?
Never!
Kurz gesellten sich Charlie und Nina zu den anderen Fans. Hanna, eine Schulfreundin, war ebenfalls da. „Na ihr zwei“, begrüßte sie die beiden, dann schaute sie Charlie fragend an. „Ich dachte, du hasst Tokio Hotel?“
Natürlich verlange sie nun eine Erklärung. „Ja, tu ich auch. Ich geh nur mit Nina zu diesem Meet and Greet und zu diesem Konzert, weil ich ihre beste Freundin bin und ihr somit einen Gefallen tu.“
Hannas Augen weiteten sich. „Meet and Greet?“ Nina nickte. „Ja, hab ich letzten Donnerstag gewonnen. Bei Viva Live.“
Dann begann die Kreischaktion.
„Die beiden treffen Tokio Hotel gleich Backstage“, kreischte Hanna.
Alle schauten Nina und Charlie an, die Gesichtsausdrücke waren voller Neid.
Bevor irgendjemand fragen konnte, ob Charlie und Nina Fotos für die anderen Fans machen könnten, verschwanden die beiden schnell.

Kapitel 10

Von einer Frau wurden Charlie und Nina in den Backstagebereich gebracht.
Auf dem Weg dorthin sahen sie den Van, mit dem die Jungs von Tokio Hotel immer fuhren.
Nina blieb stehen und musterte das Fahrzeug staunend. „Na komm“, zischte Charlie und riss die Freundin hinter sich her, „ist doch nur ein Auto!“ Nina seufzte.
Nur ein Auto?
Nein, das war der Van, mit dem die vier Boys von Tokio Hotel von Konzert zu Konzert fuhren!
Es war ein großer Raum, in dem ein paar Stühle und drei Tische standen. „Wollt ihr vielleicht etwas trinken?“, fragte die Frau freundlich. Charlie lächelte. „Gerne.“ „Cola?“, bot die Frau an. Die Freundinnen nickten.
Kurz verließ die Frau den Raum. „Gleich sehen wir sie.“ Aufgeregt schaute Nina ihre beste Freundin an.
Charlie konnte sich ihr Grinsen nicht verkneifen. Was war denn bitte sooo toll daran, so eine arrogante Kinderband wie Tokio Hotel zu treffen?
Nichts.
Absolut gar nichts!
Kurz darauf vernahmen die Freundinnen Schritte. Nina starrte gebannt auf die blaue Tür, Charlie grinste nur.
Die Tür wurde aufgerissen und herein kam die Frau mit zwei Bechern in der Hand. Charlie prustete los und Nina wirkte enttäuscht.
Nun drückte die Frau beiden Mädchen jeweils einen Becher in die Hand. „Danke“, grinste Charlie.
„Wann kommen die denn endlich?“, jammerte Nina. „Ruhig bleiben, Nina. Du wirst die vier schon noch früh genug sehen.“, meinte Charlie.
„Hm“, machte Nina nur und sortierte ihre Poster und all das andere Zeug, das sie dabei hatte.
„Die vier kommen gleich“, erklärte die Frau. Nina wirkte ein wenig erleichtert, jedoch auch ziemlich ungeduldig.
Charlie war glücklich darüber, dass die Jungs von Tokio Hotel sich Zeit ließen, vielleicht würden sie dann ganz schnell wieder verschwinden.
Das hoffte Charlie zumindest.
Nein!
Sie durften nicht schnell wieder verschwinden, dann wäre Nina super enttäuscht und das wollte Charlie nicht.
Nun lief Nina ungeduldig im Raum auf und ab. Charlie lehnte sich gegen den Tisch und nippte an ihrer Cola.
Noch einmal dachte sie darüber nach, wie sie sich in der Gegenwart von Tokio Hotel zu benehmen hatte.
Charlie durfte auf gar keinen Fall unfreundlich sein.
Am besten, sie tat so, als wäre sie auch ein Fan. „Verdammt“, murmelte sie. „Was?“ Fragend schaute Nina ihre Freundin an. „Na ja, leih mir mal ein paar Poster zum Signieren.“, bat Charlie, „sonst denken die noch, ich bin kein Fan!“
Verwirrt schaute Nina Charlie an. „Wieso? Bist du doch auch nicht!“ „Doch, bin ich“, presste Charlie hervor und schaute Nina warnend an.
„Ah“, machte Nina nur, da ihr offenbar ein Licht aufgegangen war.
Dann kramte sie einige Poster und zwei CDs hervor. Die reichte sie Charlie. „Danke“, grinste Charlie und bemerkte, dass es fast nur Poster von Tom waren, drei Stück waren von der ganzen Band, dann noch eins von Gustav, eins von Georg und eins von Bill.
„Du bist ein riesiger Fan von Tom, was?“, fragte die Frau, die immer noch im Raum stand, lachend.
Was?
Nein, Charlie war kein riesiger Fan von diesem Macho! „Ja“, lächelte Charlie und starrte das Poster von Tom total verliebt an.
Am liebsten hätte sie gekotzt!
Reiß dich zusammen, Charlie!, forderte Charlie sich selbst auf und atmete tief durch.
Natürlich konnten Charlie und Nina nicht ahnen, dass sie nur noch wenige Meter von Tokio Hotel getrennt waren!

Kapitel 11

Plötzlich vernahm Charlie ein Lachen. Ein Blick zu Nina verriet ihr, dass die Freundin es auch gehört hatte, denn nun starrte Nina erwartungsvoll die Tür an.
Wenige Sekunden später wurde die Türklinke herunter gedrückt. Nina schluckte. Noch ein paar Sekunden, dann würde sie Bill, Tom, Gustav und Georg treffen.
Die Tür wurde geöffnet.
Als erstes betrat Georg den Raum, es folgte Gustav, dann Bill und zum Schluss kam Tom herein.
Ninas Augen glänzten, ihre Knie fühlten sich an wie Wackelpudding.
Nun schüttelten die vier Jungs nacheinander Ninas Hand. Nina schaute die Jungs mit so einem unbeschreiblichen Gesichtsausdruck an, dass Charlie beinahe laut los gelacht hätte.
Als Georg Charlie die Hand schütteln wollte, zögerte sie kurz, dann dachte sie jedoch: Du bist doch Tokio Hotelfan, Charlie! Sie lächelte und schüttelte Georg die Hand.
Als Tom dann vor ihr stand, fiel ihr ein, dass sie ja total ‚verliebt’ in ihm war.
Sie lächelte und schaute Tom ganz verliebt in die Augen. „Ich bin Charlie“, erklärte sie. „Hey, ich bin Tom“, lächelte Tom. „Ich weiß“, lachte Charlie.
Erst nun fiel ihr auf, was Tom für wunderschöne Augen hatte. Und dieses Lächeln…
Umwerfend.
Moment mal!
Stopp Charlie, du hasst diese Band, schon vergessen? Am liebsten hätte Charlie sich selbst geohrfeigt.
Sie hasste Tokio Hotel und in Gedanken schwärmte sie urplötzlich für Tom.
Das ging doch nicht klar!!!
Tom schaute Charlie immer noch an.
Guck endlich weg, verdammt, schrie sie in Gedanken, blieb jedoch ruhig und grinste nur.
Währenddessen schrieb Bill fleißig Autogramme für Nina, die ihn ununterbrochen anstarrte.
Charlie beschloss, Fotos zu machen. „Tom? Schau mal bitte in die Kamera!“, bat sie.
Tom nickte und lächelte schön in die Kamera. Charlie machte einige Fotos und grinste. „Sehr gut, danke. Äh… Gustav? Krieg ich ein Foto von dir?“
„Klar“, lächelte Gustav und Charlie knipste fleißig. Nina würde das ja sowieso nicht auf die Reihe kriegen. „Okay, jetzt noch Georg.“
Georg grinste total bescheuert in die Kamera. Charlie machte einige Fotos und mittlerweile hatte Bill brav seinen Namen auf die Poster gekritzelt.
„Okay… Bill? Krieg ich auch ein paar Fotos von dir?“, fragte Charlie grinsend.
Bill nickte und lächelte.
„Okay, jetzt von dir und Nina bitte.“ Bill legte einen Arm um Ninas Schulter und Nina kuschelte sich ganz dicht an ihn.
Total süß!
Dann überreichte Charlie Nina die Kamera und die bat mit zuckersüßer Stimme: „Stell dich mal neben, Tom.“ Charlie riss entsetzt die Augen auf.
Wie bitte?
Nein!
Niemals!
Charlie wollte nicht neben Tom stehen und sie wollte ihn schon gar nicht umarmen.
Georg und Gustav waren währenddessen damit beschäftigt, die CDs zu unterschreiben, Tom stand hinter Charlie und wartete und Bill… Der stand grinsend neben Nina.
„Nicht so schüchtern“, lachte er.
Tz.
Schüchtern?
Charlie war nicht schüchtern, nein, sie wollte nur kein Foto mit Tom, diesem blöden Macho!

Kapitel 12

Hilflos stand Charlie da. Bill und Nina warfen ihr komische Blicke zu, Tom grinste geduldig und Georg und Gustav waren damit beschäftigt, die Poster zu signieren.
Charlie wusste, dass sie nicht heraus reden konnte, also schluckte sie und setzte ein Lächeln auf.
Dann breitete sie die Arme aus. „Na komm“, grinste sie, Tom kam einige Schritte auf sie zu und umarmte sie.
BAMM.
Da waren sie.
Charlie spürte sie ganz deutlich, obwohl sie es nicht wollte.
Schmetterlinge.
Tausende Schmetterlinge flogen in ihrem Bauch herum.
Verdammt.
Tom zog Charlie ganz dicht an sich und machte sich ein wenig kleiner, sodass Charlie und Tom Wange an Wange da standen und in die Kamera grinsten.
Komischerweise fühlte Charlie sich total wohl, obwohl sie ganz nah bei dem Jungen stand, den sie eigentlich hasste.
Wie war das bitte möglich?
Nach einigen Fotos bat Nina: „Kannst du Tom mal ein Küsschen geben, Charlie?“
Charlie riss entsetzt die Augen auf und starrte die Freundin an, als hätte sie gefragt, ob Charlie sich einmal ausziehen könnte.
Bill konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und Tom schaute Charlie hoffnungsvoll an.
Mittlerweile hatten Georg und Gustav sich wieder zu den anderen gesellt. „Hm… okay“, murmelte Charlie und drückte Tom vorsichtig ein Küsschen auf die Wange. „Ja, du musst schon länger so stehen bleiben, sonst kann ich nicht fotografieren.“, lachte Nina.
Also presste Charlie ihre Lippen auf Toms Wange und schaute geduldig in die Kamera.
Tom war anzusehen, dass er es voll und ganz genoss!
Nach einigen Minuten meinte Nina dann, sie hätte genug Fotos gemacht.
„Hm, Gustav? Wollen wir vielleicht ein Foto zusammen machen?“, fragte Charlie und konnte es selbst kaum fassen, dass sie das von sich aus gefragt hatte.
Gustav nickte lächelnd, legte Charlie vorsichtig einen Arm um die Schulter und Nina knipste fleißig.
Anschließend machte Nina dann noch einige Fotos von Georg und Charlie und dann löste Charlie die Freundin ab und das Spiel wiederholte sich von neuem:
Zuerst machte sie einige Fotos von Nina und Georg, dann von Nina und Gustav und dann welche von Nina und Tom.
Zum Schluss erklärte sie: „Ich hätte gern ein paar Fotos, wo du Bill knutscht, Nina.“ Ihre Augen funkten voller Rache, doch das fiel niemanden auf.
Bill grinste und machte sich ein wenig kleiner, Nina lächelte aufgeregt und drückte Bill schließlich ein Küsschen auf die Wange, während Charlie fleißig knipste.
Dann signierte Tom die Poster von ihm. Charlie lächelte dankend.
Gespielt natürlich.
Charlie betete, dieses Meet and Greet würde endlich vorbei sein und.
Ihr Beten wurde erhört.
Plötzlich meldete sich nämlich die Frau, die bis jetzt nur stumm auf einen der Tische gesessen hatte, zu Wort: „Leute, noch fünf Minuten.“
Nina wurde sofort traurig, Charlie feierte innerlich eine Party, tat jedoch ebenfalls super traurig.
„Na ja, gleich ist ja auch noch das Konzert“, versuchte Bill die Mädchen aufzumuntern.
Ninas Miene hellte sich wieder ein wenig auf.
Charlie jedoch fluchte innerlich.
Verdammt und noch einmal eineinhalb Stunden Tokio Hotel. So ein Mist!

Kapitel 13

Da bemerkte Charlie, dass Bill die CD, die Nina ihr gegeben hatte, noch nicht signiert hatte. „Bill? Kannst du die noch signieren?“, bat sie. Bill nickte, nahm die CD und kritzelte seinen Namen darauf.
Charlie bemerkte, wie Nina und Tom tuschelten und Nina drückte Tom irgendetwas in die Hand, sie konnte jedoch nicht erkennen, was es war.
Ich werde sie nachher fragen, beschloss Charlie.
„Hier“, lächelte Bill und drückte Charlie die CD in die Hand. „Jungs“, mahnte die Frau und zeigte ungeduldig auf ihre Uhr. „Na ja, wir müssen dann mal. War nett mit euch.“
„Eine letzte Umarmung?“, fragte Nina traurig und schaute Bill an. „Klar“, grinste er und umarmte Nina.
Charlie ließ es zu, dass Georg, Gustav und Bill sie umarmten und auch bei Tom konnte sie nicht „Nein“ sagen.
Dann umarmten Georg, Gustav und Tom Nina noch kurz und dann verschwanden die vier Jungs.
Anschließend wurden Nina und Charlie von der Frau in die Halle gebracht.
Die Freundinnen staunten nicht schlecht, als sie die Halle betraten. Sie war absolut leer.
„Einlass ist erst in fünf Minuten.“, erklärte die Frau, als sie die Blicke der Mädchen bemerkte.
„Ach so“, murmelte Nina.
Die Mädchen stellten sich ans Gitter und warteten.
Kurz darauf war lautes Gekreische zu hören und tausende verrückte Fans rannten in die Halle.
Charlie schüttelte nur den Kopf. Wieso waren die denn alle so scharf darauf, in die erste Reihe zu kommen?
Bei der Band…
Dann hieß es wieder warten, warten und noch mal warten.
Charlie wurde eingequetscht und Nina wurde bereits in die zweite Reihe gedrängt.
Schlampen!
Was fiel denen eigentlich ein, Nina den Platz zu klauen?
Na ja, was soll’s?
Charlie lehnte sich gelangweilt ans Gatter und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.
Plötzlich riss ein Mädchen sie an der Schulter herum. „Was?“, zischte Charlie. „Verpiss dich da!“, schrie das Weib. „Hättest du wohl gern“, lachte Charlie und drehte sich wieder um.
Weitere Versuche, Charlie von ihrem Platz zu drängen, folgten.
Vergebens.
Charlie stand da und starrte gelangweilt die Bühne an. Wann ging’s denn endlich los?
Charlie war nicht ungeduldig, weil sie endlich diese Band sehen wollte, nein, sie war ungeduldig, weil sie es kaum abwarten konnte, dass die Band die Bühne verließ.
Schon nach diesen paar Minuten hatte sie genug von dem Gedrängel.
Und das für Tokio Hotel…
Für die Schnullerband des Jahrhunderts.
Wie tief musste man denn bitte gesunken sein, um Geld für so ein bescheuertes Konzertticket auszugeben?
Tief.
Sehr tief.
Sehr, sehr tief.
Sehr, sehr, sehr tief!
Na ja, Charlie hatte es Nina versprochen und jeder, der Charlie kannte, wusste, dass sie ihre Versprechen immer, wirklich immer, immer, immer, einhielt und nie, nie, nie, niemals brach!
Bumm, bumm.
Bumm, bumm.
Wie ein Herzschlag.
Das Licht ging an und wieder aus.
Die Halle schien zu beben und es herrschte allgemeines Kreischen.

Kapitel 14

Ein Zeichen für Charlie: Das Konzert begann.
Na endlich!
Plötzlich waren die Klänge des Schlagzeugs zu hören. Das Licht richtete sich auf Gustav.
Dann begann Tom zu spielen und das Licht fiel auf ihn.
Anschließend legte Georg los und nun war er ebenfalls zu sehen.
Die Fans kreischten was das Zeug hielt. Dann erklang Bills Stimme, Bill selbst war jedoch nicht zu sehen.
Charlie war leicht verwirrt.
„Schuldigung, du stehst im Weg und wir müssen hier vorbei. Wir sind jung und nicht mehr jugendfrei, tut mir leid, ich weiß wir sollen nicht, doch wir fangen schon mal zu leben an. Wir sind jung und nicht mehr jugendfrei, eure Rechnung ist mit uns nicht aufgegangen. Wir fangen schon mal zu leben an…“ Mit diesen Worten kam Bill auf die Bühne gerannt.
Alle Fans kreischten und das ziemlich laut.
So laut, dass Charlie Bills Stimme kaum noch hörte.
Nach einigen Minuten war das Lied zu Ende.
Er hielt eine kurze Begrüßungsrede, dann ging’s weiter. „Hier sind unsre Beichten.“
Alle Fans kreischten, Charlie jedoch wusste gar nicht, welches Lied Bill meinte.
Erst, als der Refrain erklang, erinnerte sie sich: „Hey Teufel, komm raus, ich hab dich gesehn und noch die Hoffnung, du wirst mich verstehn…“
Anschließend wurde „Ich bin nicht ich“ gespielt.
Als der Song zu Ende war, nahm Bill ein Megaphon in die Hand. „Ich nehme jetzt hier mein Spielzeug in die Hand und… ihr müsstet ja eigentlich wissen, welcher Song jetzt kommt… Weil, es gibt ein Song, der fängt genauso an, mit der Sirene. Und der… heißt genau wie unser Album und wir unsre Tour. Hier ist Schrei!“
Die Masse tobte, alle kreischten und Charlie machte sich riesige Sorgen um ihre Ohren.
„Schrei, bis du du selbst bist. Schrei, und wenn ist das letzte ist. Schrei, auch wenn es weh tut, schrei so laut du kannst…“ Plötzlich verstummten die Instrumente von Tom, Georg und Gustav.
Es war nur ein „Bumm, bumm. Bumm, bumm“ und das Kreischen der Fans zu hören. „Der Song ist ja noch lange nicht zu Ende“, begann Bill, „und… ich hätte gerne jemanden auf der Bühne, der den Song mit mir zu Ende singt. Wer hat Lust?“ Abwartend hielt er das Mikro in die Menge.
Alle, na ja, fast alle kreischten.
Charlie blickte amüsiert in die Runde.
„Okay, am besten hier jemanden aus der ersten Reihe“, meinte Bill und schaute sich um.
Er ließ den Blick über die flehenden Mädchen schweifen und blieb schließlich bei Charlie hängen.
Charlie riss die Augen auf.
NEIN!
NEIN!
NEIN!
Nee Bill, never!
Charlie würde ganz sicher nicht zu ihm auf die Bühne kommen und sich vor tausenden Leuten blamieren!
Nun grinste Bill Charlie total dämlich an, am liebsten hätte sie ihm in die Fresse geschlagen.
„Die hätte ich gern“, erklärte er.
Der Sicherheitstyp deutete auf das Mädchen neben Charlie. „Die?“ Bill schüttelte den Kopf. „Nee, die daneben!“
Alle Blicke richteten sich auf Charlie.
Es war ihr unangenehm, tierisch unangenehm.
Hier waren tausende verrückte kreischende Fans und Charlie, die Tokio Hotel hasste, sollte zu Bill auf die Bühne kommen?
Das war doch sicherlich nur ein schlechter Film!

Kapitel 15

Charlie schaute nach hinten und sah sich suchend nach Nina um.
DA!
Nina stand in der zweiten Reihe und grinste Charlie aufmunternd an.
Charlie schluckte und ließ sich von dem Sicherheitsmann auf die Bühne ziehen.
„Tag Charlie“, lachte Bill. „Tag“, meinte Charlie und musste trotz allem grinsen.
„Okay, hast du Lust den Song mit mir zu Ende zu singen?“, fragte Bill.
Nein!
Charlie nickte.
„Du weißt ja, wie’s weitergeht, oder?“
Wieder nickte Charlie.
„Jetzt kommt ja diese „Nein“-Stelle, ne?“ „Ja“, schrie Charlie ins Mikrofon.
„Okay, wir wechseln uns einfach ab“, schlug Bill vor und schrie dann „Sollt ihr schweigen?“ ins Megaphon. „Nein, weil du du selbst bist. Nein, weil es das letzte ist. Nein, weil es so wehtut, schrei so laut du kannst…“
Dann hielt er das Mikro zu Charlie und sie sang: „Nein!“ Dann Bill: „Nein!“ Wieder Charlie: „Nein! Nein! Nein! Nein!“
Dann war der Song zu Ende, Bill umarmte Charlie kurz und sagte: „Vielen Dank.“
Anschließend wurde Charlie von einem Sicherheitsmann von der Bühne gezerrt.
Vorbei an Tom.
Dieser grinste Charlie an und Charlies Herz klopfte ein wenig höher.
Nun stand Charlie direkt vor der Bühne, direkt vor Tom.
Sie stand da, vor allen anderen Fans.
Der Sicherheitsmann stand dicht neben Charlie, er dachte wohl, sie sei einer dieser kranken Fans, die alles tun würden, um ihre Stars anzufassen.
Drei Lieder später sah der Sicherheitsmann ein, dass Charlie ‚normal’ war, er beachtete sie nicht weiter und Charlie machte viele, sehr viele Fotos.
Am meisten von Tom und Bill.
Georg und Gustav waren ihrer Meinung nach völlig unwichtig.

Eine Stunde und tausend Bilder später war das Konzert zu Ende.
Charlie verließ die Halle und wartete am Eingang auf Nina.
Wo blieb die denn schon wieder?
Tausende Menschen gingen an Charlie vorbei, nur Nina war nicht dabei.
Mittlerweile war Charlie echt verwirrt.
Wo trieb Nina sich denn wieder herum?
Charlie wartete noch kurz, dann lief sie langsam zurück in die Halle.
Diese war nun leer, zu leer. Niemand befand sich noch hier, außer zwei Männer, die gerade dabei waren, all die Stofftiere, Briefe und Unterwäsche aufzusammeln.
Nina war jedoch nicht zu sehen.
Charlie irrte weiter herum, bis sie schließlich ein paar Sanitäter entdeckte.
Vielleicht war Nina da irgendwo…
Charlie lief in den Sanitätsraum und tatsächlich! Nina lag auf der Liege und trank etwas.
„Nina“, rief Charlie erleichtert und ging auf die Freundin zu. „Was hast du gemacht?“, wollte sie wissen.
Nina zuckte die Achseln und erwiderte ziemlich geschwächt: „Mein Kreislauf…“
Charlie schluckte und plötzlich begann Nina zu grinsen. „Was ist?“, fragte Charlie verwirrt. „Du sahst echt gut aus auf der Bühne“, lachte Nina los.
Charlie fand das weniger lustig und streckte die Zunge heraus.
Dann wurde Nina plötzlich ganz ernst und ihre Augen weiteten sich.

Kapitel 16

„Tag“, lachte plötzlich eine bekannte Stimme. Erschrocken fuhr Charlie herum.
Vor ihr stand Bill.
Bill, der Sänger von Tokio Hotel.
DER Bill!
„Tag“, grinste Charlie.
Mittlerweile war Bill ihr total sympathisch. Kaum zu glauben, aber wahr.
„Hallo“, presste Nina hervor und Charlie musste grinsen.
Nina war echt aufgeregt. „Was macht ihr denn noch hier?“, wollte Bill wissen. „Ninas Kreislauf hat versagt“, erklärte Charlie und Nina wurde ein wenig rot.
„Ach so…“, meinte Bill nur und ging einige Schritte auf Nina zu. „Wirst du hier denn gut versorgt?“, wollte er wissen. Nina nickte verwirrt.
„Bill, da bist du ja“, sagte auf einmal eine Stimme, „wir haben sich schon…“ Charlie drehte sich um und in der Tür stand Tom. Als er Charlie sah, verstummte er urplötzlich und starrte sie einfach nur an.
Sie ist so hübsch…, dachte er und in seinem Bauch kribbelte es.
Charlie schaute Tom direkt in die Augen, in diese wunderschönen braunen Augen, die Schmetterlinge in ihrem Bauch spielten verrückt.
Bill und Nina schauten Charlie und Tom verwirrt an. Irgendwie sah es ganz schön bescheuert aus, wie die beiden wie gebannt da standen und sich gegenseitig anstarrten.
Nina musste sich wirklich halten, um nicht laut los zu prusten und Bill ging es nicht anders.
Tom wusste nicht, was er sagen sollte. Er starrte Charlie weiterhin an.
Diese Augen…
Wundervoll!
WOW!
Ein Räuspern riss ihn aus seinen Gedanken.
Bill blickte ihn geduldig an. „Wir müssen gleich, Tom“, bemerkte er. „Ja…äh… wollt ihr vielleicht mitkommen? Wir könnten ja noch eine Cola trinken, oder so…“
Fragend, flehend und hoffnungsvoll zugleich schaute Tom Charlie an.
Bill war nun noch verwirrter und Nina klappte die Kinnlade herunter.
Das war jetzt doch eine Einladung, oder?
Ja, das war es.
Charlie fand endlich ihre Stimme wieder. „Ja, klar. Also… Wenn ihr nichts Besseres zu tun habt.“
Bill erklärte: „Nee, haben wir nicht. Na, dann lasst uns gehen.“
Damit setzten sich die vier in Bewegung, Bill und Tom liefen vorne und Nina und Charlie folgten den Zwillingen.
„Das ist alles nur ein Traum“, flüsterte Nina. Charlie grinste. „Nein, das ist es ganz sicher nicht, auch wenn es fast zu schön ist, um wahr zu sein…“
Bill und Tom tuschelten und Charlie interessierte es brennend, worüber die beiden sich unterhielten, doch sie verstand kein Wort. „Was geht denn bitte mit dir ab, Tom?“, fragte Bill leise. „Wieso?“ Natürlich stellte Tom sich wieder dumm. „Erzähl mir doch nichts. Was starrst du Charlie denn bitte so an? Bist du etwa verknallt?“
BAMM.
Damit hatte Bill genau ins Schwarze getroffen.
Tom erwiderte nichts.
Ein Zeichen für Bill, dass sein Bruder sich wirklich verknallt hatte.
Kaum zu glauben…
Endlich kamen die vier in der Kabine von Tokio Hotel an.
Bill öffnete die Tür und ließ Tom, Charlie und Nina voraus laufen.
Georg und Gustav saßen auf einem blauen Sofa und tranken beide eine Cola. Als sie Nina und Charlie sahen, grinsten sie. „So schnell sieht man sich wieder.“ Nina nickte und Charlie grinste: „Ja, das kann man wohl sagen!“
Plötzlich bemerkte Charlie: „Ich glaub, ich hab mein Handy im Sanitätszimmer vergessen.“ „Im Ernst?“, fragte Nina. Charlie nickte. „Ich hol es mal schnell“, erklärte sie und wollte gehen. „Ich komm mit“, sagte Tom schnell. Charlie schaute ihn verwirrt an, nickte jedoch und die beiden machten sich auf den Weg zum Sanitätszimmer.
Dort angekommen, entdeckte Charlie das Handy sofort. Es lag auf der Liege.
„Da ist es ja“, grinste sie, nahm das Handy und steckte es in ihre Hosentasche.
Als Charlie und Tom fast wieder bei der Kabine waren, hielt Tom sie plötzlich am Arm fest. „Charlie, ich muss dir etwas sagen“, begann er total ernst. „Was denn?“, fragte Charlie und ihr Herz schlug höher.
„Na ja… Also, ich… Wie soll ich sagen? Ich…äh…ich hab mich irgendwie in… in dich… äh…“ Er verstummte. Charlie schaute ihn fragend und ein klein wenig ungeduldig an.
„Also… Na ja… Ich hab mich in dich verliebt“, sagte Tom und schaute verlegen auf den Boden.
Was? Tom hatte sich in Charlie, ausgerechnet in Charlie verliebt?
Das war doch ein Witz, oder?
Charlie schaute Tom an, suchte seinen Blick und als er sie schließlich anschaute, wusste sie, dass es kein Witz war.
Tom hatte sich also wirklich in Charlie verliebt.
WOW…
„Also… ich muss kurz was klar stellen, Tom“, murmelte Charlie. „Was denn?“
„Na ja… Ich bin eigentlich kein Fan von euch, also von Tokio Hotel. Bis heute dachte ich, ihr wärt beschissene Möchtegerngangster…“ „Wieso bist du denn zum Meet and Greet und zum Konzert gekommen?“, wollte Tom wissen.
„Na ja, das hab ich nur für Nina getan. Sie wollte es unbedingt… Ich sollte so tun, als wenn ich dich toll finde. Na ja… Hab ich auch gemacht, aber…“ Tom unterbrach sie: „Du hasst uns, oder?“ „Ja! Nein! Ich hab euch gehasst. Tom, ich hasse euch nicht. Ich hatte die Chance, euch ein wenig besser kennen zu lernen. Ich habe gemerkt, ihr seid keine Machos oder so. Ihr seid… keine Ahnung. Ihr seid einfach ihr selbst… Tom, erst habe ich so getan, als würde ich toll finden, eigentlich hatte ich keine Lust darauf.
Aber dann habe ich gemerkt, wie toll du wirklich bist… und… und… na ja…“
Weiter kam sie nicht, denn nun drückte Tom sanft ihr Kinn hoch, sodass sie ihm in die Augen schauen musste, zog sie an sich heran und tat das, was er schon tun wollte, seit er sie das erste Mal gesehen hatte. Er küsste sie.
Charlie erwiderte den Kuss, legte ihre Arme in Toms Nacken und genoss den Kuss.
Sie bekamen nicht mit, dass die Tür hinter ihnen geöffnet wurde und Bill heraustrat und die beiden überrascht anschaute.
Sie bekamen auch nicht mit, dass Bill ganz leise Georg, Gustav und Nina herbei rief.
Alle vier schauten Charlie und Tom an, wie sie da standen und sich zärtlich küssten. „Da haben sich ja zwei gefunden“, murmelte Nina grinsend und die vier gingen zurück in die Kabine.

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